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Kieferorthopädie

Die Kieferorthopädie ist ein Teilgebiet der Zahnmedizin. Die Kieferorthopädie befasst sich mit der Erkennung, der Verhütung und der Behandlung von Fehlstellungen der Kiefer und der Zähne (Zahnfehlstellung).

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine kieferorthopädische Behandlung?

Wichtiges in Kürze:

  • Wichtiger als das Alter des kindlichen / jugendlichen Patienten ist die individuelle Zahnentwicklung und natürlich die Zahnstellung.
  • In Ausnahmefällen sind Frühbehandlungen im Milchgebiss möglich, ganz selten auch schon bei Säuglingen, etwa im Fall einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte.
  • Kinder müssen bei einer Zahnspangen-Behandlung mitarbeiten. Bitte bedenken Sie das bei der Wahl des Behandlungsbeginns.
  • Bisher existieren keine verlässlichen wissenschaftlichen Belege dafür, dass Zahnspangen zu einer verbesserten Zahngesundheit führen. So beurteilt das die Verbraucherzentrale. Sicher in diesem Zusammenhang mag wohl sein, dass eine kieferorthopädische Behandlung mit Zahnspangen zu einer verbesserten Zahnästhetik führt.

Wann beginnt normalerweise eine Behandlung?

Ist eine Zahnspange nötig, wird normalerweise ab dem 10. Lebensjahr mit einer Behandlung begonnen. Dabei ist die individuelle Zahnentwicklung und die Zahnstellung entscheidender als das Alter des Kindes. Mit einer Therapie kann bei sogenannten "Frühzahnern“ eher begonnen werden als bei Kindern mit einem verzögerten Durchbruch der Zähne aus dem Kiefer in die Mundhöhle.

Zahnärzte und Kieferorthopäden sind für die Behandlung an Richtlinien gebunden. Diese besagen: "Kieferorthopädische Behandlungen sollen nicht vor Beginn der zweiten Phase des Zahnwechsels begonnen werden, also nicht vor dem 10. bis 13. Lebensjahr." die Milcheckzähne und Milchseitenzähne werden in dieser Phase durch ihre Nachfolger ersetzt.

Führende deutsche Wissenschaftler vertreten die Ansicht, dass mit einer kieferorthopädischen Behandlung, also mit einer Zahnspange, früh begonnen werden sollte. Sie raten dazu an, nicht erst das Alter für die Inanspruchnahme von Brackets abzuwarten.

Was ist eine Frühbehandlung?

Die absolute Ausnahme sollte eine kieferorthopädische Behandlung im Milchgebiss oder in der ersten Phase des Zahnwechsels sein. Unter der ersten Phase versteht man den Zeitpunkt, wenn die ersten bleibenden Zähne durchbrechen. Angezeigt ist die Behandlung in der Regel nur bei ausgeprägten Zahnstellungsanomalien, die sich verschlimmern könnten, beziehungsweise die eine Wachstumshemmung zur Folge haben könnten. Damit würde eine erfolgreiche Behandlung zu einem späteren Zeitpunkt erschwert oder unmöglich.

Eine Randbedingung dazu ist, dass das Kind mit dem Zahnarzt zusammenarbeiten können muss, denn es muss ohne größere Schwierigkeiten ein Abdruck angefertigt werden können. Eine Frühbehandlung soll "nicht vor dem 4. Lebensjahr begonnen und innerhalb von sechs Kalenderquartalen abgeschlossen werden", so der Wortlaut einer Richtlinie.

In seltenen Ausnahmefällen werden auch schon Säuglinge kieferorthopädisch behandelt, etwa wenn eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte vorliegt, eine angeborene Fehlbildung. Dann kann der Oberkiefer mit einer Platte umgeformt werden.

Was ist bei Erwachsenen zu beachten?

Eine Zahnregulierung ist heute theoretisch ohne Alterseinschränkung machbar. Bei Erwachsenen ist aber zu beachten, dass das knöcherne Kieferwachstum abgeschlossen und die Gewebereaktion altersbedingt eingeschränkt ist. Das kann dazu führen, dass eine Behandlung länger dauert als bei Kindern und Jugendlichen. Ein weiteres Problem bei der Erwachsenenbehandlung ist, dass nicht mehr alle Zähne vorhanden oder bestehende Zähne geschädigt sein können. Auch Entzündungen des Zahnfleischs (Gingivitis) oder des Zahnhalteapparates (Parodontitis) sind in höherem Alter die Regel und sollten vor der kieferorthopädischen Therapie behandelt werden.

Der Nutzen einer kieferorthopädischen Behandlung

Kieferorthopäden weisen häufig darauf hin, dass Zahn- und Kieferfehlstellungen die Mundgesundheit und die Funktionsfähigkeit des Gebisses gefährden. Bisher existieren aber nach Ansicht der Verbraucherzentrale keine verlässlichen wissenschaftlichen Belege dafür, dass Zahnspangen zu einer verbesserten Zahngesundheit führen. Zudem ist nach Ansicht der Verbraucherzentrale auch nicht belegt, dass Zahnfehlstellungen das spätere Risiko für Karies, Parodontitis oder Kieferschmerzen erhöhen. Weiterhin, so gibt die Verbraucherzentrale zu bedenken, kann nicht beantwortet werden, ob die Behebung von Zahnfehlstellungen eine wirksame Voraussetzung für den Erhalt der Zähne ist.

Das kieferorthopädische Leistungsspektrum

Das Leistungsspektrum eines modernen Kieferorthopäden umfasst heute folgende Leistungen:

  • Herausnehmbare Zahnspangen
  • Unsichtbare Zahnspangen
  • Festsitzende Zahnspangen
  • Keramikbrackets
  • Metallbrackets
  • Kunststoffbrackets
  • Zahnvorderfront-Zahnspangen
  • Lingual-Zahnspangen (Innenseite der Zähne)
  • Invisalign (unsichtbare Zahnspangen)
  • Retainer

Zusammenfassung

An kieferorthopädischen Therapien scheiden sich häufig die Geister. Das liegt auch an den wirtschaftlichen Interessen der Beteiligten, wie Krankenkassen, kieferorthopädischen Verbänden und den ästhetischen Wünschen der Patienten (und deren Eltern / Erziehungsverantwortlichen). Nicht aus dem Blick sollten in diesem Zusammenhang auch die Risiken einer kieferorthopädischen Behandlung verloren werden, wie beispielsweise craniomandibuläre Dysfunktionen (falscher Biss, Kiefergelenksschmerzen und Kiefergelenksentzündungen), die dadurch eintreten können.

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Zuletzt aktualisiert am: 04.05.2021

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Julia Schneider
Dr. Julia Schneider über:

Kieferorthopädische Behandlung

Schief stehende Zähne stören nicht nur die Ästhetik, sie können zudem Auswirkungen auf die Zahngesundheit haben. Um Zahn- oder Kieferfehlstellungen zu korrigieren, gibt es verschiedene Behandlungsmethoden, wie eine herausnehmbare Zahnspange, eine feste Zahnspange oder Invisalign®. Dr. Julia Schneider, Kieferorthopädin aus Nieder-Olm, beantwortet in dieser Expertensprechstunde Fragen von Patienten zum Thema „Kieferorthopädie“.

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