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Behandlung von Parodontitis beim Zahnarzt

Als ernstzunehmende Erkrankung des Zahnhalteapparats sollte Parodontitis frühestmöglich erkannt und behandelt werden. Die Behandlung erfolgt abhängig vom Schweregrad in bestimmten Abständen und über einen längeren Zeitraum. Auch nach abgeschlossener Behandlung müssen die Zähne regelmäßig kontrolliert und beobachtet werden.


Inhaltsverzeichnis

» Die WHO-Sonde
» Schweregrade
» PAR-Richtlinie
» Vorbehandlung von Parodontitis
» Systematische Therapie
» Weitere Behandlungsmöglichkeiten
» Nachbehandlung

WHO-Sonde

Die Basis der Parodontitis-Therapie bildet die PSI-Diagnostik mit einer speziellen Sonde (WHO-Sonde). Mit diesem Instrument kann der Zahnarzt den gesundheitlichen Zustand des Zahnhalteapparates erfassen. PSI ist das Wortkürzel für „Parodontaler Screening Index“.

Die Untersuchung mit der WHO-Sonde liefert drei Ergebnisse: Die Neigung des Zahnfleischs zu Blutungen, die Tiefe von Zahnfleischtaschen und das Ausmaß von Zahnstein am Rand freiliegender Zahnhälse. Anhand dieser Untersuchungsergebnisse wird die parodontale Entzündung in Schweregrade unterteilt.

Unterteilung in Schweregrade

Der Parodontale Screening Index kann Werte von 0 bis 4 annehmen, um das Ausmaß einer Entzündung im Zahnhalteapparat zu beschreiben:

  • PSI-Wert 0: Gesundes Zahnfleisch
  • PSI-Wert 1: Sondierungstiefe bis 3,5 mm. Keine Blutungsneigung. Kein Zahnstein an den freiliegenden Zahnhälsen
  • PSI-Wert 2: Sondierungstiefe bis 3,5 mm. Eventuelle Blutungsneigung. Zahnstein an den freiliegenden Zahnhälsen vorhanden
  • PSI-Wert 3: Sondierungstiefe von 3,5 bis 5,5 mm. Leichte bis mittelschwere Parodontitis
  • PSI-Wert 4: Sondierungstiefe > 5,5 mm. Mittelschwere bis schwere Parodontitis

Liegt der PSI-Wert bei 3 oder 4, müssen die Einbuchtungen im Zahnfleisch in der Regel gereinigt und desinfiziert werden, um ein Voranschreiten der parodontalen Entzündung zu verhindern. Bei einer chronischen Zahnbettentzündung muss dies regelmäßig erfolgen. Je nach Ausstattung der Zahnarztpraxis kann der Zahnarzt hierbei moderne Technologien wie Ultraschall, Laser und PerioChip einsetzen, um die Effizienz der Parodontitis-Behandlung zu steigern.

Erweiterte Behandlungsstrecke ab 2021

Im Juli 2021 sind die Richtlinien für Zahnärzte hinsichtlich einer optimalen Behandlung von gesetzlich versicherten Patienten mit Parodontitis erweitert worden (PAR-Richtlinie). Die Patientenberatung beim Zahnarzt zur Prävention und zum Umgang mit der Erkrankung sowie die Möglichkeiten zur effizienten Verhinderung einer Ausweitung von Zahnbettentzündungen, haben sich demnach verbessert.

Hintergrund sind unter anderem die erweiterten Behandlungsmöglichkeiten mit modernen Technologien wie Laser und Ultraschall. Zudem haben die Patienten nunmehr Anrecht auf eine zweijährige unterstützende Parodontaltherapie (UPT) zur Nachsorge. Nach der Parodontitis-Behandlung beim Zahnarzt sollte der Zustand des Zahnhalteapparates in individuell vereinbarten Abständen erneut untersucht werden, um bei Bedarf rechtzeitig mit weiteren Behandlungsschritten beginnen zu können.

Vorbehandlung von Parodontitis

Die Vorbehandlung beim Zahnarzt umfasst zwei bis drei Termine. Im ersten Behandlungsschritt erfolgt eine Professionelle Zahnreinigung, bei der sämtliche Zahnbeläge vom Zahnschmelz entfernt werden. Das Ausmaß der Zahnbeläge und der Entzündungsgrad des Zahnfleischs wird hierbei für jeden einzelnen Zahn genau dokumentiert. In den nächsten ein bis zwei Zahnarztterminen zur Parodontitis-Vorbehandlung erfolgen erneute zahnhygienische Maßnahmen. Der gesundheitliche Zustand aller Zähne und des Zahnfleischs hinsichtlich Entzündungen im Zahnhalteapparat wird wiederum genau dokumentiert. Bei den Sitzungen wird der Patient zudem zur verbesserten Zahnpflege und Mundhygiene motiviert, beispielsweise durch Anfärben unsichtbarer Zahnbeläge.

Die Ergebnisse der Vorbehandlung können Auswirkungen auf die Behandlungsplanung bei der Versorgung mit Zahnersatz haben. Bei einer chronischen und fortgeschrittenen Parodontitis ist beispielsweise die Versorgung mit festsitzendem Zahnersatz auf Zahnimplantaten zahnmedizinisch meist nicht mehr sinnvoll. Einer Gebissrestauration mit herausnehmbarem Zahnersatz hingegen steht auch bei fortgeschrittener Zahnbettentzündung in der Regel nichts im Wege.

Systematische Parodontitistherapie

Die vorausgehend beschriebene Parodontitis-Vorbehandlung bildet die erste Phase der systematischen Therapie. Im zweiten Behandlungsschritt reinigt der Zahnarzt unter lokaler Betäubung den Zahnschmelz freiliegender Zahnhälse. Um schädliche Bakterien abzutöten, können neben manuellen Instrumenten und desinfizierenden Spüllösungen auch moderne technische Hilfsmittel wie Laser und Ultraschall zum Einsatz kommen. Tiefe Einbuchtungen im Zahnfleisch müssen unter Umständen offen behandelt werden. Mit einem gezielten Knochenaufbau im Kiefer kann während der zweiten Phase begonnen werden.

Die dritte Behandlungsphase wird auch als Parodontale Erhaltungstherapie (PET) oder Unterstützende Parodontitis-Therapie (UPT) bezeichnet. Je nach Ausmaß der Entzündung erfolgt nun alle drei bis sechs Monate eine Behandlung im entzündeten Zahnhalteapparat. Für den langfristigen Zahnerhalt ist diese Phase besonders wichtig: Einer weiteren Vertiefung der Zahnfleischtaschen und Knochenabbau wird gezielt entgegengewirkt.

Geschlossene Parodontitis-Behandlung

Bei der geschlossenen Behandlung werden, meist unter lokaler Betäubung, bakterielle Zahnbeläge und feste Ablagerungen von freiliegenden Zahnhälsen und Zahnwurzeln entfernt. Die moderne Zahnmedizin ermöglicht bei Bedarf weitere Behandlungsoptionen wie das Einbringen antiseptischer Substanzen oder die unterstützende Verschreibung von Antibiotika. Das diesbezügliche Angebot kann sich von Zahnarztpraxis zu Zahnartpraxis erheblich unterscheiden.

Offene Parodontitis-Behandlung

Für die offene Behandlung wird das Zahnfleisch an den entzündeten Stellen von den Zähnen gelöst und aufgeklappt. Hierdurch sind von Bakterien besiedelte Zahnwurzeln besser behandelbar. Anschließend wird das Zahnfleisch wieder eng am Zahn anliegend angenäht. Für die offene Parodontitis-Behandlung ist eine örtliche Betäubung erforderlich. Nach etwa einer Woche können die Fäden gezogen werden.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die offene Behandlung von schwerer Parodontitis bei mindestens 6 mm Sondierungstiefe, sofern die geschlossene Behandlung kombiniert mit verbesserter Zahnpflege erfolglos bleibt. Die offene Parodontitis-Therapie kann mit Behandlungen des Kieferknochens kombiniert werden, beispielsweise der Glättung von Knochenoberflächen oder der Einbringung von Substanzen, die den Knochenaufbau anregen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Parodontitis

Eine innovative Behandlungsoption im Rahmen der systematischen Parodontitis-Therapie ist das Einbringen eines PerioChips in die Zahnfleischtaschen. Der Chip gibt fortlaufend Wirkstoffe gegen die Entzündungsbakterien ab, was eine kontinuierliche Behandlung ermöglicht.

Zu den modernen technologischen Behandlungsoptionen bei Parodontitis gehören das Abtöten von Bakterien auf den freigelegten Zahnbereichen mit Laser oder Ultraschall. Der Behandlungserfolg kann durch die neuen technologischen Möglichkeiten verbessert werden, aber nicht jeder Zahnarzt bietet derartige Behandlungsmethoden an.

Nachbehandlung von Parodontitis

Ausschlaggebend für einen andauernden Behandlungserfolg ist nicht zuletzt eine optimierte Mundhygiene. Hierbei sollten unbedingt auch die Zahnzwischenräume mit speziellen Bürsten oder Zahnseide mindestens zweimal täglich einbezogen werden. Denn gerade von den mit normalen Zahnbürsten schwer zugänglichen Gebissbereichen aus können Bakterien erneut auf den Zahnhalteapparat übergreifen.

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Zuletzt aktualisiert am: 11.03.2022
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