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Umwelt-Zahnmedizin

Die Zusatzbezeichnung "Umwelt-Zahnmedizin“ wird normalerweise in einem mehrmonatigen Curriculum erworben. Dazu bedarf es der zusätzlichen Kenntnisse in Immunologie und Toxikologie. Damit können mit validierten, reproduzierbaren Bluttestverfahren in Zusammenarbeit mit darauf spezialisierten immunologischen Laboren eindeutige Fakten zu den Wechselbeziehungen zwischen Mund und Körper erzielt werden. 

Hintergrund: Alle Werkstoffe, die in den Mund eingebracht werden, geben permanent Ionen ab. Wie viele Ionen in Lösung gehen, hängt von der Qualität der Herstellung des Zahnersatzes, von der Korrosionsrate bei Metallen, von der Verarbeitungsqualität im Mund und dem Alter der Werkstoffe ab. 

In den Mund eingebrachte Materialien können Sensibilisierungen / Allergien – also immunologische Reaktionen – auslösen. Es handelt sich dabei um eine Typ-4-Allergie mit Bildung von T-Lymphozyten. Diese wirken  sich über die Ausschüttung von Interferon Gamma und weiteren Interleukinen systemisch aus und können an allen Stellen im Körper Entzündungsreaktionen auslösen. Nur selten treten Reaktionen im Mund auf. Deshalb sind diese Allergien nicht sofort erkennbar. 

Titan bildet hier eine Ausnahme. Eine Titanunverträglichkeit lässt sich nur durch Messung der proentzündlichen  Zytokine  Tumornekrosefaktor  alpha (TNF-alpha) und Interleukin 1 (IL1) nachweisen. 

Kunststoffe können auch eine IgE-vermittelten Allergie Typ 1 auslösen, der nur durch einen basophilen Degranulationstest zu ermitteln ist.

Jeder wurzelbehandelte oder nervtote Zahn scheidet Eiweißzerfallsprodukte (u. a. Thioäther, Mercaptane) aus. Diese können neben toxischen Effekten auch systemische pathologische Immunreaktionen verursachen, welche noch durch andere Entzündungsprozesse verstärkt werden können. Eine Ausschüttung von Interferon Gamma oder Interleukin 10 zeigt, ob eine akute oder eine chronische (ausbalancierte) Entzündungsreaktion vorliegt. 

Die individuelle Entzündungsneigung (Suszeptibilität) hängt von der Freisetzung des proentzündlichen Interleukin 1 (IL1) und seines antientzündlichen Gegenspielers Interleukin 1 Rezeptorantagonist (IL 1 RA) ab. Genpolymorphismen (genetische Variationen) können zu verstärkten Entzündungsreaktionen führen. Weitere Genpolymorphismen (z.B. bei mannosebildendem Lektin) oder eine Störung der Blut-Hirn-Schranke können ebenfalls zu ungewohnt starken Entzündungsreaktionen führen. Alle diese Störungen sind labordiagnostisch nachweisbar. 

Neben komplementärmedizinischen Testverfahren sind dies die validierten, reproduzierbaren  Labortests der Umwelt-Zahnmedizin, die nachweisen, 

  • ob eine Sensibilisierung gegen Zahnmaterialien vorliegt
  • ob diese Materialien systemische Entzündungsreaktionen auslösen
  • ob durch wurzelbehandelte oder nervtote Zähne systemische Entzündungsreaktionen verursacht werden
  • ob eine erhöhte Entzündungsneigung (Suszeptibilität) besteht und welche Zahnmaterialien zum Testzeitpunkt sicher vertragen werden 

Durch die systemische Immunantwort sind alle Fachrichtungen involviert. Entzündungsprozesse in allen Körperregionen können durch Zähne entstehen und nachgewiesen werden. Chronisch Kranke, Allergiker, Patienten mit hoher Rezidivneigung oder starker Verletzungsanfälligkeit und gesundheitsbewusste Patienten erhalten neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Für Therapeuten erschließen sich durch diesen ganzheitlichen Denkansatz der Umwelt-Zahnmedizin erfolgreichere Therapien und neue Kooperationsmöglichkeiten.

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Harold Eymer
Dr. Harold Eymer über:

Umweltzahnmedizin

Die Umweltzahnmedizin setzt auf schonende Naturheilverfahren und Nachhaltigkeit und stellt Zusammenhänge zwischen Erkrankungen im Mundraum sowie der bereits durgeführten Behandlungsmethode und anderen Erkrankungen des Organismus‘ her. Dr. Harold Eymer, Zahnarzt aus Hamburg (Harvestehude), beantwortet in dieser Expertensprechstunde Fragen von Patienten zum Thema „Umweltzahnmedizin".

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