previous arrow
next arrow
Slider

Wurzelbehandlung: Wann treten Schmerzen auf?

Mit einer Wurzelbehandlung können entzündete Zähne vor der Extraktion gerettet werden. Es handelt sich um einen operativen Eingriff ins Zahninnere, der landläufig als unangenehm bis schmerzhaft gilt. Mit einer wirksamen lokalen Betäubung treten aber in der Regel keinerlei Schmerzen während der Wurzelbehandlung auf, gänzlich ausschließen lassen sie sich jedoch nicht.


Inhaltsverzeichnis

» Risiko für Schmerzen minimieren
» Schmerzen vor der Behandlung
» Was kann ich als Patient tun?
» Schmerzen während der Behandlung?
» Normalfall: schnelle Schmerzfreiheit
» Erneute Schmerzen
» Plötzliche Schmerzen
» Fazit: Behandlung ohne Schmerzen möglich

Risiko für Schmerzen minimieren

Neue Untersuchungsmethoden wie 3D-Röntgen und die elektronische Bestimmung der Länge der einzelnen Wurzelkanäle können die Planung optimieren und dabei helfen, das Risiko für Schmerzen durch eine Wurzelbehandlung zu minimieren. Zudem können Technologien wie Laser und Ultraschall die Geschwindigkeit und die Gründlichkeit des Eingriffs verbessern, wodurch Schmerzen noch unwahrscheinlicher werden.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann die Wurzelbehandlung bei manchen Zahnärzten auch unter Vollnarkose vornehmen lassen, beispielsweise in einer Zahnarztpraxis für Angstpatienten. Eine weitere Option, den endodontischen Eingriff sicher schmerzfrei zu gestalten, ist eine zusätzlich zur örtlichen Betäubung erfolgende Sedierung mit Lachgas.

Schmerzen vor der Wurzelbehandlung

Wenn sich das Weichgewebe im Zahninneren (Zahnmark) entzündet, schwillt es an und drückt auf die enthaltenen Nerven. In vielen Fällen schwillt nun auch das Gewebe rund um den Zahn an – bei einer fortgeschrittenen Zahnentzündung kommt es oftmals zu einer „dicken Backe“. Zahnschmerzen, die darauf hindeuten, dass eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich ist, werden häufig als pulsierend oder klopfend beschrieben. Erste Warnhinweise sind Temperatur- und Druckempfindlichkeit sowie Schmerzen beim Klopfen auf den betroffenen Zahn.

Wenn sich der Zahnnerv entzündet hat (Pulpitis), stellt der Zahnarzt zunächst fest, ob die Entzündung reversibel ist, also von allein zurückgeht. In diesem Fall entspricht die Schmerzdauer bei Berührung mit kalten Substanzen der Reizdauer. Übersteigt sie diese hingegen (bei Wärmereiz), ist von einer irreversiblen Entzündung auszugehen, die eine endodontische Behandlung der Wurzelkanäle verlangt.

Ist der Zahnnerv bereits abgestorben, besteht meist keine Temperaturempfindlichkeit – klopft der Zahnarzt jedoch an der „richtigen“ Stelle, können hierbei auftretende Schmerzen bedeuten, dass der Zahn eine Wurzelbehandlung benötigt oder (abhängig vom Gesamtzustand des Gebisses) durch Zahnersatz ersetzt werden sollte.

Als Patient zur Schmerzvermeidung beitragen

Vor endodontischen Eingriffen sollte man auf Kaffee, Alkohol und andere Rauschmittel verzichten, um die eigene Schmerzwahrnehmung nicht zu beeinträchtigen. Zudem sollten Sie Ihren Zahnarzt unbedingt über die regelmäßige Einnahme von Medikamenten in Kenntnis setzen, sofern dies nicht bei der Anamnese oder im Vorgespräch ohnehin thematisiert worden ist.

Weisen Sie Ihren Zahnarzt außerdem darauf hin, wenn die häusliche Einnahme von rezeptfreien Schmerzmitteln bei Zahnschmerzen nicht den gewohnten Effekt zeigt. Im Zweifelsfall sollte man sich an einen auf Angstpatienten spezialisierten Zahnarzt werden, um sicherzugehen, dass derartige Ängste und Befürchtungen ernst genommen werden. Unter Umständen muss der gesamte Kiefernerv betäubt werden, um Schmerzen während einer Wurzelbehandlung sicher zu vermeiden.

Schmerzen während der Wurzelbehandlung

In seltenen Fällen können trotz der lokalen Betäubung Schmerzen während der Wurzelbehandlung auftreten, denn ein stark entzündeter Zahn lässt sich unter Umständen nur unzureichend betäuben, sodass die Narkose nicht ausreicht. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn die Entzündung der Zahnwurzeln noch frisch ist. Entzündetes Gewebe ist normalerweise stärker durchblutet und weist einen angeregten Stoffwechsel auf, sodass betäubende Wirkstoffe schneller abtransportiert werden.

Auch können Komplikationen während des Eingriffs auftreten, die diesen unerwarteterweise in die Länge ziehen, sodass die betäubende Wirkung des Lokalanästhetikums bereits nachlässt. Um Schmerzen während der Wurzelbehandlung sicher zu vermeiden, sollte diese daher unbedingt gut vorbereitet werden, etwa durch eine elektronische Längenbestimmung der Wurzelkanäle und dreidimensionale Röntgenaufnahmen. Falls eine Wurzelbehandlung wider Erwarten schmerzhaft sein sollte, kann der Zahnarzt in der Regel jedoch zuverlässig mit einer erneuten Betäubung entgegenwirken.

Zeitgemäße zahntechnische Instrumente wie Laser, Ultraschall und OP-Mikroskop erhöhen die Gründlichkeit der Wurzelkanalaufbereitung und können die langfristige Erfolgsprognose für einen wurzelgefüllten Zahn auf diese Weise erheblich verbessern. Im Vergleich zur klassischerweise verwendeten Lupenbrille kann ein OP-Mikroskop wesentlich feinere Gewebestrukturen abbilden und somit die Effizienz von endodontischen Behandlungen deutlich verbessern.

Der Normalfall: Schnell schmerzfrei nach dem ersten Behandlungstermin

In der Regel stellt sich bereits nach dem ersten Termin der Wurzelbehandlung, bei dem das entzündete Weichgewebe aus den Wurzelkanälen und der Pulpenhöhle entfernt wird, zügig völlige Schmerzfreiheit ein.

Leichte Schmerzen direkt nach der Wurzelbehandlung

Obwohl der Zahnnerv bei der Wurzelkanalbehandlung entfernt wird, können die hierbei entstandenen Gewebeverletzungen (Wunden) kurz nach der Operation leichte Schmerzen hervorrufen. Verletztes und irritiertes Gewebe neigt zu Schwellungen und kann daher verstärkten Druck auf umliegende Nervenbahnen ausüben. In der Regel klingen derartige Beschwerden aber spätestens drei Tage nach der Behandlung wieder vollständig ab.

Die Kühlung des angeschwollenen Gewebes mit in einem Handtuch eingewickeltem Eis oder Kühlelementen kann dabei helfen, derartige Beschwerden schnellstmöglich zu lindern. Weitere bewährte Hausmittel sind Lindenblütentee, Kamillentee und zerkaute Nelken. Bei Schmerzmitteln ist darauf zu achten, dass sie nicht die Blutgerinnung hemmen, wie dies beispielsweise bei Aspirin der Fall ist – sprechen Sie die Einnahme von Medikamenten unbedingt mit Ihrem behandelnden Zahnarzt ab. Ebenfalls hilfreich ist der vorübergehende Verzicht auf scharf gewürzte und heiße Speisen. Auch sollte die Zahnpflege ohne unnötigen Druck auf das Zahnfleisch erfolgen, um die Gewebeheilung zu unterstützen.

Typischerweise kann es zu Schmerzen beim Zubeißen kommen. Der betroffene Zahn wird von dem gereizten Gewebe rund um seine Wurzelspitzen leicht nach oben gedrückt, sodass er beim Kauen in dieses hineingedrückt wird. Wenn derartige Aufbissschmerzen nach etwa einer Woche immer noch nicht nachgelassen haben, ist ein erneuter Besuch beim Zahnarzt anzuraten. Wenn sich die Entzündung im Tiefenbereich des Zahnhalteapparates (Parodontium) hält, können derartige Schmerzen über einen längeren Zeitraum auftreten.

Abszesse und Gangräne

Falls sich eine eitrige Entzündung im Kieferknochen gebildet hat oder das Zahnmark bereits verfallen und eine Gangrän (Wundbrand) entstanden ist, kann es jedoch länger dauern, bis die Schmerzfreiheit nach Beginn der Behandlung erreicht ist. In einem solchen Fall können nach der Öffnung des Zahns über die Zahnkrone übelriechende Gase austreten. Bis die Wurzelkanäle vollständig getrocknet und aufbereitet sind, kann es unter derartigen Voraussetzungen deutlich länger dauern.

Schmerzen nach einer zurückliegenden Wurzelbehandlung

Die Wurzelkanäle verlaufen in jedem Zahn etwas anders und können individuell sehr unterschiedlich geformt sein. Falls nach einer Wurzelbehandlung erneute Schmerzen auftreten, sind vermutlich Bakterien in feinsten Zwischenräumen verblieben und breiten sich erneut aus.

Wenn die Zahnschmerzen nach einer überstandenen Wurzelbehandlung nicht langfristig verschwinden, wird unter Umständen eine erneute Wurzelkanalbehandlung (Revisionsbehandlung) oder das operative Entfernen der Wurzelspitzen (Wurzelspitzenresektion) notwendig. Dringt die Entzündung zu tief in die Wurzelspitzen ein, muss für deren vollständige Entfernung ein seitlicher Zugang über das Zahnfleisch geschaffen werden.

In seltenen Fällen treten Schmerzen nach einer zurückliegenden Aufbereitung der Wurzelkanäle erst viele Monate oder Jahre später auf. Ein möglicher Grund hierfür ist, dass der behandelte Zahn instabil geworden ist und neue Erreger von außen her eindringen können.

Plötzlich auftretende heftige Zahnschmerzen bei unbemerkter Entzündung

In manchen Fällen verläuft das Absterben von Zahnnerven schleichend und bleibt unbemerkt. Erst auf dem Röntgenbild erkennt der behandelnde Zahnarzt, dass eine Entzündung rund um die Wurzelspitzen vorliegt. Auch wenn diese mit keinerlei Schmerzen einhergeht, sollte eine baldige Wurzelkanalbehandlung in Erwägung gezogen werden, denn der chronische Zustand kann jederzeit in einen sehr schmerzhaften chronisch akuten Zustand übergehen, der eine sofortige Behandlung verlangt.

Fazit: Wurzelbehandlung ohne Schmerzen

Dass eine Wurzelkanalbehandlung ohne Vollnarkose schmerzlos verläuft, kann nicht garantiert werden – unter normalen Bedingungen lassen sich Schmerzen aber auch mit einer örtlichen Betäubung sehr zuverlässig vermeiden. Eine zusätzlich erfolgende Sedierung mit Lachgas, wie sie vor allem auf Patienten mit Zahnarztangst spezialisierte Zahnärzte anbieten, kann das Schmerzempfinden zusätzlich senken. Der behandelnde Zahnarzt sollte die Ängste seiner Patienten ernst nehmen und diese bereitwillig dazu beraten, inwieweit sie selbsttätig zur Schmerzvermeidung beitragen können.

Eine gewissenhafte Vorbereitung beschleunigt die Behandlung und verringert somit das Risiko, dass das Lokalanästhetikum zu schnell aus dem besonders stark durchbluteten entzündeten Gewebe abtransportiert wird. Wichtige technische Hilfsmittel, die zur detaillierten Planung des Eingriffs beitragen und auf diese Weise bei der Schmerzvermeidung helfen, sind dreidimensionales Röntgen und Endometrie.

5.0 von 5 Sternen. 1 Bewertung(en).
Zum Bewerten bitte auf den gewünschten Stern drücken.

Vielen Dank für Ihre Bewertung!
Sie haben bereits abgestimmt!
Zuletzt aktualisiert am: 14.03.2022
Jetzt Spezialisten finden

Hier finden Sie spezialisierte Zahnärzte für das Thema "Wurzelbehandlung" aus ganz Deutschland − auch in Ihrer Nähe!

Experten-Sprechstunde
Dr. Anselm Brune, M.Sc. über:

Wurzelkanalbehandlung

Anselm Brune
Dr. Anselm Brune, M.Sc. über:

Wurzelkanalbehandlung

Eine Wurzelkanalbehandlung ist notwendig, wenn sich das Innere des Zahns, das sogenannte Zahnmark, entzündet hat oder bereits abgestorben ist. Das Ziel ist es, den betroffenen Zahn zu erhalten. Dr. Anselm Brune, Zahnarzt aus Münster (Mecklenbeck), beantwortet in dieser Expertensprechstunde Fragen von Patienten zum Thema „Wurzelkanalbehandlung“.

Lesen Sie den kompletten Beitrag

MODERNE ZAHNMEDIZIN
EXZELLENT UND ERSCHWINGLICH