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Parodontitis | Parodontose

Entzündung des Zahnhalteapparates

Die Parodontologie ist ein Fachgebiet der Zahnmedizin, das sich mit der Diagnostik und Therapie von Parodontalerkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodont/Attachement) beschäftigt. Als Zahnhalteapparat wird das funktionelle Verankerungssystem der Zähne verstanden, das aus

  • Zahnfleisch (Gingiva propria),
  • Zahnzement (Cementum),
  • Zahnfach (Alveole) und
  • Wurzelhaut (Parodontales Ligament/Desmodont)

besteht und in engem Zusammenhang mit dem Kieferknochen steht. Von krankhaften Veränderungen kann der gesamte Zahnhalteapparat betroffen sein, die nachhaltig die Zahngesundheit schädigen. Aufgabe der Parodontologie ist es, solche entzündlichen Prozesse möglichst frühzeitig zu diagnostizieren und das Voranschreiten der Krankheit zu unterbinden. Bei fortgeschrittener Parodontitis können auch ein Knochenaufbau (Kieferaugmentation) und/oder die Rekonstruktion von Zähnen in Form von Füllungen, Brücken und Kronen sowie die Versorgung mit einem oder mehrerer Zahnimplantate notwendig werden.

Was ist Parodontitis?

Die Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnfleisches, die zur Zerstörung des Kieferknochens führt. Sie geht mit einem sogenannten Attachmentverlust einher, der sich durch Symptome wie den Rückgang von Zahnfleisch, Zahnfleischbluten, Schmerz-und Temperaturempfindlichkeiten der Zähne sowie im weiteren Verlauf durch Knochenverlust äußert. Auch gerötetes Zahnfleisch, Beläge an den Zähnen (Plaque) oder Mundgeruch (Halitosis) sind ernst zu nehmende Begleiterscheinungen einer Parodontitis.

Eine Parodontitis verläuft meistens chronisch über viele Jahre, dabei bleibt sie oft schmerzfrei und deshalb von den Betroffenen lange Zeit unbemerkt. Aktuelle Daten zeigen, dass nahezu jeder zweite Erwachsene älter als 35 Jahre an einer behandlungsbedürftigen Parodontitis leidet. Da sich die genannten Symptome meist erst im Spätstadium bemerkbar machen, schreitet die Erkrankung weiter voran und die Zähne verlieren immer mehr an Halt und können schließlich verloren gehen.

Der Zahnarzt unterscheidet zwischen einer apikalen Parodontitis und einer marginalen Parodontitis. Bei der apikalen Parodontitis geht die Entzündung von der Wurzelspitze aus, während hingegen bei der marginalen Parodontitis die Krankheitserreger vom Zahnfleischsaum ausgehen. Ebenso können auch beide Formen gemeinsam auftreten, sodass der Krankheitserreger sowohl von der Zahnpulpa (Endodont) auf den Zahnhalteapparat (Parodont) als auch umgekehrt übergehen kann. Dann spricht man von einer Paro-Endo-Läsion.

Spezial: Parodontitis (Parodontose)

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Ursachen und Risikofaktoren von Parodontitis

Ursache für eine Parodontitis sind bakterielle Zahnbeläge (Plaque), die sich an den Zähnen und in den Zahnzwischenräumen einnisten. Durch regelmäßige und gründliche Mundhygiene können sie in der Regel gut entfernt werden. Geschieht dies nicht, kommt es zu mit der Zeit zu einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Sie ist meist ein Vorläufer der Parodontitis. Im Vergleich zur Parodontitis befällt eine Gingivitis nicht die tieferliegenden Strukturen des Zahnhalteapparates. Sie beschränkt sich also auf eine entzündliche Veränderung des Zahnfleisches und geht mit einer starken Rötung und Schwellungen desselben einher.

Häufig ist auch Zahnfleischbluten, Zahnstein und Mundgeruch zu beobachten. Dabei ist ihr Verlauf meist schmerzfrei. Die Gingivitis kann sich zu einer chronischen Entzündung etablieren und durch begünstigende Faktoren in eine Parodontitis übergehen. Im Fall einer bereits bestehenden Parodontitis kann die Gingivitis den Verlauf dieser beschleunigen.

Da eine Parodontalerkrankung häufig ein Kräftemessen zwischen den verursachenden Mikroorganismen und der körpereigenen Immunabwehr darstellt, führen eine Verschlechterung der allgemeinen Gesundheit oder die Vermehrung der Bakterien (z.B. wegen unzureichender Zahnpflege) dazu, dass die Parodontitis weiter in die Tiefe voranschreiten kann. Es kommt dann zur Knochenatrophie (Knochenabbau) mit anschließendem Zahnverlust, wenn keine rechtzeitige und umfassende Behandlung erfolgt.

Neben einer unzureichenden Mundhygiene können unterschiedliche Faktoren eine Verschlechterung des Gesundheitszustands herbeiführen und eine Parodontitis begünstigen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Karies
  • Bruxismus (Knirschen mit den Zähnen)
  • Verminderter Speichelfluss
  • Unausgewogene Ernährung
  • Übergewicht
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Stress
  • Piercings im Mundbereich
  • Schwangerschaft
  • Zahnarztangst
  • Schwächung des Immunsystems (z.B. Bei Krebs-, Transplantations-, und Dialyse-Patienten)
  • Pflegebedürftigkeit bei Senioren (Vgl. Alterszahnheilkunde)
  • Genetische Vorbelastung

Darüber hinaus kann die Parodontitis auch maßgeblich Einfluss auf den Krankheitsverlauf von Diabetes mellitus, Arteriosklerose und koronare Herzkrankheiten nehmen. Bereits eine leichte Gingivitis kann sich bei Schwangeren zu einer schweren Schwangerschaftsgingivitis bzw. Parodontitis ausweiten. Das erhöht nicht nur das Gesundheitsrisiko für die werdende Mutter, sondern kann zu Komplikationen während der Schwangerschaft führen.

Parodontosebehandlung mit Photodynamischer Therapie

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Diagnostik von Parodontitis

Eine gesicherte Diagnose einer Parodontitis kann nur der Zahnarzt stellen. Dies erfolgt mit der Erhebung des sogenannten Parodontalen Screening Index (PSI). Mittels eines speziellen Messinstruments, der Parodontalsonde, kann der Zahnarzt ohne großen Aufwand und schmerzfrei das Stadium einer Parodontitis bestimmen. Dabei werden zwei Parameter berücksichtigt und gemessen. Zum einen die Blutungsneigung des Zahnfleisches und zum anderen die Tiefe der Zahnfleischtaschen.

Um den PSI-Wert zu ermitteln wird das Gebiss in sechs Abschnitte eingeteilt und jeder Zahn samt umliegenden Gewebe systematisch mit der Sonde untersucht. Pro Abschnitt wird der Befund in Werte von 0 bis 4 zusammengefasst. Dabei steht 0 für gesundes Zahnfleisch, bei 1 und 2 liegt bereits eine Gingivitis vor und die Tiefe der Zahnfleischtasche liegt bei max. 3,5mm. Die Werte 3 und 4 deuten auf eine mittelschwere bis schwere Parodontitis mit Zahnfleischtaschen von bis bzw. über 5,5mm hin. Während bei den ersten drei Werten (0-2) in der Regel noch keine Behandlungsmaßnahmen notwendig sind, müssen bei dem Verdacht auf eine Parodontitis ein ausführlicher Befund erhoben und ggfs. eine Parodontitisbehandlung eingeleitet werden.

Hierfür werden Röntgenaufnahmen erstellt, die vor allem zeigen sollen, ob und wenn, wie stark, der Kieferknochen sich bereits zurückgebildet hat. Dafür stehen klassische Röntgengeräte sowie innovative 3D-bildgebende Verfahren zu Verfügung, die sogenannte Digitale Volumentomographie (DVT-Röntgen/3D-Röntgen). Eine dreidimensionale Röntgenaufnahme bietet den Vorteil einer präziseren Befundung anhand besserer Bildqualität und die Projektion sämtlicher Strukturen, Nerven und Blutgefäße, die bei einer zweidimensionalen Aufnahme meist unzureichend oder gar nicht dargestellt werden können.

Parodontosebehandlung mit Laser

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Behandlung von Parodontitis

Die Parodontitisbehandlung ist in verschiedene Behandlungsphasen gegliedert: die Initialtherapie, die Parodontaltherapie und die Erhaltungstherapie. Im Folgenden wird die Vorgehensweise einer Parodontitisbehandlung erläutert, die keine spezielleren Behandlungsmaßnahmen erfordert.

Initialtherapie

Am Anfang einer Parodontitisbehandlung steht zunächst die praktische Unterweisung in effektiver und richtiger häuslicher Mundhygiene. Neben dem richtigen Gebrauch von Zahnpflegeprodukten und Hilfsmitteln (Zahnseide, Zungenreiniger, Zahnzwischenraumbürsten) wird der Patient über die Erkrankung selbst und den Umgang mit ihr im Alltag aufgeklärt.

Anschließend wird eine professionelle Zahnreinigung (PZR) durchgeführt, um alle Zähne gründlich zu reinigen und Zahnbeläge sowie Zahnstein zu entfernen. Insbesondere an den ohnehin schon kritischen Zahnzwischenräumen, können Bakterienansammlungen sehr gründlich entfernt werden. Sollte eine Karies vorliegen oder Löcher in den Zähnen vorhanden sein, werden diese mit entsprechenden Füllungen versorgt. Bereits mit den ersten Maßnahmen der Initialtherapie kann eine deutliche Besserung der Zahnfleischentzündung und ihrer Beschwerden erzielt werden. Um das Gebiss von der Parodontitis zu befreien, reicht das allein aber nicht aus.

Parodontaltherapie

Nachdem die oberflächlichen Beläge entfernt worden sind, müssen die primär verantwortlichen Bakterien für eine Parodontitis beseitigt werden. Diese befinden sich in den Zahnfleischtaschen und können mit speziellen Hand-, Schall- oder Ultraschallinstrumenten sicher entfernt werden. Der Zahnarzt dringt dabei mit den Instrumenten unter das Zahnfleisch und entfernt den dort befindlichen bakteriellen Biofilm. Dies nennt man auch eine subgingivale Reinigung, die in lokaler Betäubung durchgeführt wird. Im nächsten Schritt werden die Wurzeloberflächen geglättet, damit eine erneute Bakterienansiedlung erschwert bzw. verhindert wird.

Bei sehr tiefen und unzugänglichen Zahnfleischtaschen, wie das bei einer mittelschweren bis schweren Parodontitis der Fall ist, kann darüber hinaus ein chirurgischer Eingriff nötig werden. Zum einen um eine sorgfältige Entfernung der Parodontitisbakterien an der Wurzeloberfläche zu gewährleisten und zum anderen um ggfs. verloren gegangenen Kieferknochen wiederaufzubauen. Ein Knochenaufbau bei Parodontitis-Patienten ist meist ratsam, wenn eine Versorgung mit Zahnimplantaten vorgesehen ist. Mit unterschiedlichen Arten von Knochenersatzmaterial kann dann dem weiteren Fortschreiten des Knochenabbaus vorgebeugt und so eine stabile Basis für den Zahnersatz geboten werden.

Da eine solche Behandlung für viele Patienten unangenehm ist, findet sie in lokaler Betäubung statt. Die meisten Zahnärzte bieten auf Wunsch auch eine Behandlung im Dämmerschlaf oder in Vollnarkose an. Begleitend wird oft auch eine Antibiotika-Einnahme verordnet, um die Therapiemaßnahmen und den Körper beim Heilungsprozess zu unterstützen.

Nachsorge und Erhaltungstherapie (Recall)

Da eine Parodontitis eine chronische Erkrankung ist, ist nach einer erfolgreichen Behandlung eine lebenslange Nachsorge und Betreuung durch den Zahnarzt erforderlich. Nur so kann der Behandlungserfolg dauerhaft gesichert und ein erneuter Ausbruch der Erkrankung verhindert werden. In Abhängigkeit des individuellen Risikos werden regelmäßige Kontrolluntersuchung in der Praxis, der sogenannte Recall, sowie die Teilnahme an Prophylaxe-Programmen empfohlen. Betroffenen Patienten sollten daher zwei- bis viermal im Jahr in der Praxis vorsprechen.

Bei diesen Terminen wird über die klassische Kontrolle hinaus, erneut mittels der Parodontalsonde der PSI-Wert kontrolliert und eine Entfernung der Beläge unter dem Zahnfleischsaum und aus den Zahntaschen durchgeführt. Diese Maßnahme hilft die erfolgreiche Beseitigung der Parodontitis zu halten, erneuten Entzündungen vorzubeugen und insgesamt den Zahnstatus in regelmäßigen Abständen neu bewerten zu können und ggfs. frühzeitig Behandlungsmaßnahmen einzuleiten.

Eine erfolgreiche Erhaltungstherapie ist allerdings auf das Engagement des Patienten angewiesen. Das schließt nicht nur eine regelmäßige und gewissenhafte Mundpflege zuhause ein, sondern erfordert auch die Bereitschaft des Patienten seine individuellen Risikofaktoren weitestgehend bzw. komplett zu vermeiden.

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Kosten einer Parodontitisbehandlung

Die Höhe der Behandlungskosten bei einer Parodontitis richten sich nach den durchgeführten Behandlungsmaßnahmen. Diese können von Patient zu Patient stark variieren. Im Vorfeld jeder Behandlung wird der exakte Heil-und Kostenplan von dem behandelnden Zahnarzt erstellt. Daraus gehen die Gesamtkosten der Behandlung ebenso hervor wie der Anteil der gesetzlichen Krankenkasse, der übernommen wird. Wer eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen hat, bei dem lohnt es sich möglicherweise auch hier den Kostenplan einrichten und nach einer Kostenübernahme bzw. Kostenerstattung zu fragen.

 

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